Architekturkonzept für den Turm von St. Jacobi

Ausgangslage
Der notwendige Abtrag des heutigen Turmhelms von St. Jacobi bildet den Ausgangspunkt dieses Entwurfs. Die Maßnahme dient dem Schutz des mittelalterlichen Ziegelmauerwerks und eröffnet zugleich die Möglichkeit, den Turm nicht nur statisch zu sichern, sondern räumlich, konstruktiv und kulturell neu zu denken.
Der hier aufgezeigte Entwurf versteht den Turm nicht ausschließlich als äußere Silhouette, sondern als architektonischen Raum, dessen inneres Potenzial bislang weitgehend ungenutzt ist.
Leitidee: Der Turm im Turm
Zentrales Element des Konzepts ist eine eigenständige innere Tragstruktur, die innerhalb des mittelalterlichen Backsteinturms errichtet wird. Diese neue Struktur übernimmt die Lasten eines künftigen Turmhelms und entlastet das historische Mauerwerk dauerhaft.
Alt und Neu bleiben dabei konstruktiv klar getrennt:
Der mittelalterliche Ziegelschaft bildet die raumprägende Hülle, während die neue innere Struktur als sichtbares, zeitgenössisches Tragwerk aus hellem Stahl und weißem Beton eingefügt wird. Die Trennung der Systeme ist bewusst ablesbar und bildet den gestalterischen Kern des Entwurfs.
Der Innenraum als architektonische Erfahrung
Der Turm besitzt einen nahezu quadratischen Grundriss, der als ruhige, klare Raumfigur erhalten bleibt. Innerhalb dieses Volumens entwickelt sich eine sanft ansteigende Rampe als primäres Erschließungselement. Sie ermöglicht einen langsamen, barrierearmen Aufstieg und folgt der vertikalen Logik des Turms. Die Rampe ist nicht nur Erschließung, sondern Erzählraum.
Entlang der Rampe bleibt das mittelalterliche Backsteinmauerwerk vollständig sichtbar: Ziegel, unregelmäßige Fugen, Reparaturspuren und Alterung erzählen von Jahrhunderten Baugeschichte. Das historische Material wird nicht verkleidet, sondern bewusst in Szene gesetzt.
Vertikales Lapidarium
In den Innenraum integriert ist ein vertikales Lapidarium. Fragmente, Steinmetzarbeiten, Maßwerkstücke und Bauteile aus unterschiedlichen Bauphasen werden entlang des Weges räumlich eingebunden. Der Turm wird so selbst zum Ausstellungsraum – nicht additiv, sondern integrativ.
Der Entwurf verzichtet bewusst auf museale Inszenierung. Die Geschichte des Bauwerks erschließt sich aus Material, Raum und Bewegung. Der Turm wird so selbst zum Museum seiner Geschichte:
kein additiver Ausstellungsraum, sondern ein gebautes Narrativ.
Konstruktion und Funktion
Die neue innere Struktur ist als leichtes, sichtbares, trianguläres Tragwerk ausgebildet. Schlanke Stahlstützen und Träger übernehmen Lasten und bilden zugleich das konstruktive Rückgrat des Entwurfs. Die neue innere Tragstruktur ist bewusst sichtbar ausgeführt.
Schlanke Stahlstützen, Träger und Verbände sowie Elemente aus hellem Beton bilden ein klares, zeitgenössisches Tragwerk, das sich deutlich vom historischen Backstein abhebt und kontrastiert.
Der Glockenstuhl wird in diese neue Struktur integriert, um das historische Mauerwerk von dynamischen Belastungen zu entlasten.
Ein Aufzug ergänzt die Rampe und ermöglicht eine vollständig barrierefreie Erschließung. Er führt zunächst zu einer Aussichtsplattform auf Höhe des historischen Turmsockels und darüber hinaus in den neu errichteten Turmhelm, der ebenfalls eine Plattform aufnimmt.
Wiederaufbau und Kontinuität
Der mögliche Neubau des Turmhelms folgt historischen Proportionen, wird jedoch mit zeitgemäßen Mitteln realisiert: digitale Vermessung, präzise Vorfertigung und leichte Konstruktionen sorgen für Substanzschonung und Dauerhaftigkeit.
Prägende Elemente der Nachkriegszeit, insbesondere die Zifferblätter, können bewusst in den Neubau integriert werden. Der Entwurf versteht Wiederaufbau nicht als Rückgriff, sondern als Fortschreibung der Baugeschichte.

Atmosphärische Zielsetzung
Der Entwurf schafft einen ruhigen, kontemplativen Raum. Tageslicht fällt von oben in den Turm und verstärkt die vertikale Wirkung. Der Kontrast zwischen schwerem, historischem Backstein und leichter, moderner Konstruktion bleibt jederzeit spürbar.
Der Turm wird so nicht nur wieder sichtbar, sondern erlebbar – als Raum, als Geschichte und als zeitgenössische architektonische Vision.
Moodboard und Entwurfsideen
Disclaimer
Die dargestellten Bilder wurden mithilfe von KI-gestützter Bildgenerierung (Midjourney) erzeugt und verstehen sich als visuelle Gedankenstützen innerhalb einer architektonischen Vision. Sie dienen der atmosphärischen und konzeptionellen Veranschaulichung und ersetzen keine planerische oder technische Ausarbeitung. Das zugrunde liegende Konzept sowie sämtliche Inhalte dieser Seite unterliegen dem Urheberrecht.
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© Konzeption: Jens Baumanns







